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Insektensterben: Nicht nur Bienen sind bedroht

von Frauke Suhr
16.01.2020
 

Umweltschützer warnen schon seit Jahren vor dem Aussterben der Bienen. Nicht nur bei der Bestäubung von Pflanzen, sondern auch als Nahrung für andere Tiere sind Insekten unverzichtbar. Umweltministerin Schulze will den Insektenschutz in Deutschland deshalb nun gesetzlich festschreiben. Eine aktuelle Studie der Wissenschaftler Sanchez-Bayo und Wyckhuys, die im April 2019 in der Biological Conservation veröffentlicht wird und schon vorab online einsehbar ist, untersucht, wie es um die Insektenbestände steht.

Das alarmierende Ergebnis: Weltweit sind mehr als 40 Prozent der Insektenarten vom Aussterben bedroht. Neben Bienen sind auch 53 Prozent der Schmetterlingsarten und knapp jede zweite Käferart rückläufig, wie die Statista-Infografik zeigt. 49 Prozent der Heuschrecken und 37 Prozent der Libellenarten sind bedroht.

Als Gründe für den Rückgang identifizieren die Biologen die schrumpfenden Lebensräume, den Klimawandel und den massenhaften Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft.


Interesse an Bienenhaltung weiterhin hoch 

Der Deutscher Imkerbund meldet bereits im elften Jahr steigende Mitgliederzahlen Wachtberg, 29.03.2019: DAX-Unternehmen, Mittelstand, öffentlicher Dienst - diese Sektoren bestimmen meist die Wirtschaftsschlagzeilen in Deutschland. Dabei wird häufig übersehen, welche volkswirtschaftliche Bedeutung Hobbys und Freizeitbeschäftigungen einnehmen können. Besonders die Imkerei wurde lange Zeit unterschätzt. Das hat sich jedoch in den letzten zehn Jahren deutlich geändert. Das öffentliche Interesse für Bienen ist enorm gestiegen. Medien berichten über das Bienensterben und Bevölkerung und Politik sind sensibilisiert. In unserer Umwelt stimmt etwas nicht mehr, wenn es immer weniger Insekten gibt. Viele Menschen möchten deshalb selbst einen aktiven Beitrag leisten und mit der Bienenhaltung beginnen. Gründe für diese Tendenz gibt es viele: Zum einen ist das Interesse für Natur- und Umweltthemen seit Jahren gewachsen und dies insbesondere bei der weiblichen Bevölkerung. Sie entdecken die Imkerei als sinnvolle Freizeitbeschäftigung für sich, weil sie damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer Artenvielfalt leisten wollen und sich wünschen, intakte Umweltbedingungen für die nächsten Generationen zu erhalten. Zum anderen reagieren informierte Menschen immer sensibler auf die Gefährdung einer flächendeckenden Bestäubung, verursacht durch den Schwund an Blüten bestäubenden Insekten. Presseschlagzeilen und politische Forderungen unterstützen diese Besorgnis. Viele Menschen sind zum Nachdenken angeregt und richten den Fokus auf die Imkerei. Auch der Deutsche Imkerbund e.V. (D.I.B.) als Dachverband hat seine Aktivitäten in der Nachwuchswerbung zusammen mit seinen Mitgliedsverbänden seit 2007 verstärkt. Das alles zusammen hat dazu geführt, dass die Zahl der im D.I.B. organisierten Imkerinnen und Imker seit 2008 bis zum Jahresbeginn 2019 um ein Drittel (nominal von 80.614 auf 120.679) angestiegen ist. Das Durchschnittsalter liegt heute bei 56 Jahren, der Anteil an Frauen bei einem Fünftel mit steigender Tendenz. "Damit haben wir, bezogen auf das Gebiet der BRD, einen Mitgliederstand erreicht, wie wir ihn letztmalig vor rund 50 Jahren verzeichnen konnten", stellt D.I.B.-Geschäftsführer Olaf Lück erfreut fest. Jede Medaille hat allerdings immer zwei Seiten, so auch in diesem Fall. Denn der rasante Mitgliederanstieg stellt die insgesamt 19 Mitgliedsverbände des D.I.B. und die in der Forschung und dem Gesundheitsdienst tätigen Bieneninstitute, die gemeinsam die Ausbildung der Anfänger durchführen, vor eine Mammutaufgabe. Denn Bienenhaltung ist nicht im Internet erlernbar und bedarf einer fachlichen Ausbildung in Theorie und Praxis. "Rein rechtlich gesehen, benötigt niemand eine Schulung. Praktisch gesehen geht es aber nicht ohne. Denn neben der fachgerechten Betreuung der Honigbiene, die rechtlich als Nutztier eingestuft wird, sind Imkerinnen und Imker zugleich auch Lebensmittelproduzenten, sofern sie Honig an Dritte weitergeben", weiß Lück, der selbst Agrar-Ingenieur ist und eine lebensmitteltechnologische Ausbildung durchlief. Digitale Bildungsangebote wie das Online-Portal "die-honigmacher.de" oder die neue "ImkerApp" unterstützen Anfänger in der Ausbildung begleitend. Aber: "Die praktische Erfahrung am Bienenvolk gemeinsam mit erfahrenen Imkern ist durch nichts zu ersetzen.", so Lück. Gerade am Anfang ist es besonders wichtig, sich mit anderen Fachkundigen auszutauschen und von anderen zu lernen. In vielen Imkervereinen werden deshalb Patenschaften für Neuanfänger angeboten oder das so genannte Probeimkern. Über den organisierten Ortsverein, der einem Mitgliedsverband des D.I.B. angeschlossen ist, erfahren Interessierte, wo Schulungen und Lehrgänge stattfinden und erhalten alle wichtigen Informationen zu gesetzlichen Regelungen und - ganz wichtig - den nötigen Versicherungsschutz. Auf die Frage, wie der richtige Imker beschaffen sein muss, gibt Olaf Lück zu bedenken: "Künftige Imkerinnen/Imker, egal welchen Alters, sollten auf jeden Fall über ein gewisses Maß an Naturverbundenheit und Naturbewusstsein verfügen und dazu möglichst folgende Eigenschaften besitzen: Sie oder er hat keine Bienengiftallergie, kann ruhig und bedacht mit Insekten umgehen, möchte von der Natur lernen, hat dem Bienenjahr entsprechend genug freie Zeit, sich um die Imkerei zu kümmern, ausreichend Platz für imkerliches Material und die Aufstellung der Bienenbehausungen, liebt es, im Freien und der Natur zu arbeiten und hat für bestimmte Arbeiten selbst genug Ausdauer. Außerdem sollte die Bereitschaft zur stetigen fachlichen Weiterbildung bestehen." Als falsch verstandenes Naturbewusstsein empfindet der Verband hingegen die teilweise rasante Entwicklung der Stadtimkerei. Wie Pilze aus der Erde geschossene Kleinstimkereien auf Balkonen und Dächern haben zu einer Bienendichte in Ballungsgebieten wie Berlin geführt, die insbesondere eine hohe Übertragungsgefahr von Bienenkrankheiten mit sich bringt, wenn hier nicht mit Vernunft und Fachverständnis Bienenhaltung betrieben wird. "Es sind ganz besonders gute Kenntnisse zur Bienenhaltung notwendig, damit dort die Bienenvölker fachgerecht betreut werden und natürlich auch sehr tolerante Nachbarn", mahnt Lück und erklärt: "Jeder der Bienen helfen möchte, muss nicht zwangsläufig Imkern. Aber jene, die sich dafür entscheiden, sind herzlich willkommen und müssen sich an klare gesetzliche Regeln und die gute fachliche Praxis halten. Wir als Dachverband bieten zusammen mit unseren Mitgliedsverbänden und deren Ortsvereinen die erforderliche Unterstützung." Die Gestaltung und Erhaltung unserer Kulturlandschaft ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Im Frühjahr mit blühenden Obstbäumen, Feldern und Wiesen können Wild- und Honigbienen genug Vorräte einlagern. Die Bienen brauchen aber über den ganzen Sommer Nahrung und daran mangelt es in vielen Bereichen unserer kultivierten Landschaft. Besonders im Spätsommer ist eine ausreichende Versorgung wichtig, damit die Völker gut genährt und mit ausreichend hochwertigen Vorräten in die lange Winterpause gehen können. Mit einem blütenreichen, bienenfreundlichen Angebot im Garten oder auf dem Balkon, dem Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz und dem Aufstellen von Nisthilfen für Wildbienen kann jeder zur Verbesserung der Lebens- und Nahrungsbedingungen von Blütenbestäubern beigetragen. Denn viel mehr als die Honigbiene, die durch den Menschen betreut wird, leiden Wildbienen unter Nahrungs- und Nistplatzmangel. Der D.I.B. hat daher seit kurzen auf seiner Internetseite ein Informationsangebot zu Wildbienen eingerichtet. Jeder Imker ist zugleich auch Bienenwirt und hat beste Kompetenz, Wildbienen zu unterstützen. Petra Friedrich, Tel. 0228/9329218 o. 0163/2732547, E-Mail: dib.presse@t-online.de